DANKE 2020

22.12.2020
(English below)

In diesem Jahr hat vor allem ein Thema dominiert. Täglich folgte eine negative Schlagzeile nach der anderen. Wir alle waren und sind fast 24/7 mit neuen Zahlen und Maßnahmen beschäftigt. Gute Nachrichten sind da definitiv zu kurz gekommen. Doch dieses Jahr hatte auch einige helle Momente – auch für uns als Club- und Kulturbetrieb, trotz Verdrängung von unserem alten Standort und kurz darauf folgendem Lockdown.

Dank des Zusammenhalts der Berliner Clubszene konnten wir nicht nur schnell ein Exil für unser Programm in der Alten Münze und im ehemaligen Polygon Club finden, sondern auch Teil einer mittlerweile globalen Plattform für Clubmusik-Streaming werden. United We Stream gibt es nun aus über 100 Städten weltweit und hat allein für Berlin mehr als eine halbe Million Euro für den Erhalt von Clubkultur gesammelt. Auch wir konnten auf unsere Unterstützer zählen und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne verbuchen. So war es uns möglich einen Teil unseres Teams mit weiteren Aufgaben wie der Produktion unserer Merchandise-Kollektion zu beschäftigen. Nachhaltige, fair gehandelte Bio-Textilien wurden in unserer eigens eingerichteten Siebdruckwerkstatt von Hand bedruckt. Erst kürzlich haben wir davon aufgrund der großen Nachfrage eine zweite Charge produziert. Die allerletzten Sweatshirts sind noch im Onlineshop unseres Latitude Record Stores erhältlich. Diesen hatten wir nach der Schließung des alten Standorts in der Sonnenallee kurzer Hand ins Web verlagert. Mittlerweile sind auf unserem Discogs-Store über 4000 Second Hand Platten unterschiedlichster Genres erhältlich, die wir zum Großteil aus DJ-Kollektionen zusammengesammelt haben. Kommendes Frühjahr werden wir dann wieder einen physischen Laden an einem neuen langfristigen Standort in Neukölln eröffnen. Ebenfalls in Neukölln konnten wir während des ersten Lockdowns im Mai unser erstes Bar-Projekt verwirklichen. Die Bar am Ufer – oder kurz BAU – startete mit Coffee to go, hatte dann einen schönen Sommer als Spot für Cocktails und Bar Food und befindet sich nun wieder im Lockdown. Aktuell haben wir dort täglich von 09:00 bis 18:00 Uhr mit allem Essentiellen für Zuhause geöffnet: Kaffee, Tee und Weine, nebst Kuchen, Sandwiches und Keksen.

Anfang Mai konnten wir dann verkünden, dass wir für unseren Club eine neue Bleibe gefunden hatten. Nach nur vier Monaten in der Schwebe, zwischen Exil, Lager und Lockdown. Ohne Zeit zu verlieren und in einem gewaltigen Kraftakt wurde in der ehemaligen Bärenquell Brauerei in Niederschöneweide eine Open Air Location samt Biergarten aus dem Boden gestampft. Dabei hatten wir stets im Blick: Wenn es wieder Veranstaltungen geben könne und dürfe, dann nur unter strengen Hygieneauflagen. So mussten alle Bereiche unter anderem Corona-konform entstehen: Wegeleitsysteme, Sitzbereiche mit Plexiglas, Hygienestationen und vieles mehr. Von Mitte September bis Anfang November konnten wir so unser Club-Programm draußen durchführen. Auch wenn das nur mit begrenzten Besucherzahlen möglich war, so fühlte es sich doch ein bisschen so an wie früher. Im “Baergarten” gab as neben Pizza und Bier ein buntes Kulturprogramm, darunter der Tag der Clubkultur am 3. Oktober, initiiert von Berlins Kultursenator Klaus Lederer, der unseren Baergarten gemeinsam mit der Clubcommission als Bühne für die Pressekonferenz zur Eröffnung nutzte. Zur erfolgreichen und sicheren Durchführung der Veranstaltungen haben auch schnelle und effiziente digitale Lösungen beigetragen. Unsere Freunde vom Berliner Entwicklerteam Hanteras übernahmen dabei die Registrierung und Datenschutzkonforme Speicherung der Gästedaten zur Kontaktnachverfolgung im Sinne der Infektionsschutzverordnung. So konnten wir zumindest für ein paar Wochen zur neuen “Normalität” zurückkehren.

Für den ambitioniert-absurden Plan während einer globalen Pandemie einen Club zu eröffnen, brauchte es einen verrückten und zugleich verlässlichen Partner. Diesen hatten wir im Immobilien-Entwickler Home Center Management, kurz HCM, gefunden. Die größtenteils aus Israel stammenden und in Berlin ansässigen Experten sind aktuell mit der Entwicklung des Bärenquell-Geländes betraut und wollen aus den alten Brauerei-Ruinen in den kommenden Jahren ein buntes Quartier aus Kunst, Kultur und Arbeiten machen. Im Moment der größten Not boten sie uns an Teile ihres Geländes zu nutzen. Gemeinsam arbeiten wir zurzeit an verschiedenen Projekten, die neben unserem Clubbetrieb das Areal zum Leben erwecken sollen. So ist zum Beispiel ein regelmäßiger und vielfältiger Floh- und Food-Markt für kommendes Jahr in Planung, der an unseren früheren Muehlenmarkt in der Sonnenallee anknüpfen wird. Im kommenden Jahr werden wir dann auch unsere Transformation endgültig vollziehen und auf allen Kanälen als Revier Südost auftreten. Dazu arbeiten wir momentan gemeinsam mit der Berliner Design-Agentur Pfadfinderei an einem neuen Erscheinungsbild. Die Griessmuehle wird weiterhin ein Teil von uns bleiben, in unseren Herzen und vor allem in unseren Ohren – seid gespannt.

Auf unserer Kundgebung im Januar und mit unserer Petition auf change.org hatten wir gefordert wofür die Clubcommission mit der Politik schon lange ringt: Clubs sind Kultur und somit schützenswert. Im Juni stellten schließlich SPD, Die Linke und Grüne gemeinsam einen Antrag im Abgeordnetenhaus, um “Clubkultur als Teil von Berlin an[zu]erkennen und [zu] stärken”. Am 19. November wurde dieser Antrag angenommen. So sollen Clubs als Kulturstätten behandelt werden und wären dann gleichgestellt mit Theatern, Opernhäusern und Museen. Damit genießen sie künftig baurechtliche Vorteile und mehr Schutz. Auch wenn dies vorerst für Berlin gilt und 2020 noch weitaus mehr und bis dahin ungeahnte Herausforderungen für Clubs bedeutet hat, ist dieser Beschluss zumindest ein Lichtblick.

Auf der europäischen Kulturbühne konnten wir dieses Jahr ein länderübergreifendes Gemeinschaftsprojekt auf die Beine stellen. Zusammen mit dem polnischen Club Jasna 1 und dem tschechischen Club Ankali haben wir das GRAVITY Network of Electronic Music Venues gegründet. Ziel ist die transnationale Mobilität lokaler Künstler zu stimulieren, elektronische Musikgemeinschaften zu bilden und die Grundlage für ein expandierendes Netzwerk von Veranstaltungsorten für elektronische Musik in Europa und darüber hinaus zu schaffen. Das Projekt, das vom Creative Europe Programm der Europäischen Union gefördert wird, startet kommendes Frühjahr und umfasst Musikveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Screenings und Workshops in Berlin, Prag und Warschau.

Genauso wie wir aktuell von Reisen durch Europa nur träumen und von langen, durchzechten Nächten nur schwärmen können, ist eben auch schon lange klar: Wir und unser ganzes Team werden zum ersten Mal seit Jahren die ruhigsten und besinnlichsten Feiertage aller Zeiten verbringen. Keine große Silvesterparty auszurichten eröffnet ganz neue Perspektiven: Fernab von Vorbereitungen, Aufbaustress und langen Schichten zum Jahreswechsel.

Den Soundtrack für die Silvesternacht in den eigenen vier Wänden lieferten erst kürzlich unsere Residents Acierate, Cinthie und Parallx, die gemeinsam mit Gabrielle Kwarteng bei Hör zu Gast waren. Alle vier Streams sind hier online bei YouTube zu finden.

Wir wünschen allen Freund*innen, Gästen, Mitarbeitenden und Künstler*innen frohe Festtage daheim und einen gesunden Start ins neue Jahr.

 

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THANK YOU 2020

This year, one topic in particular has dominated our everyday life. Every day there was one negative headline after another. We were and are all busy with new figures and measures almost 24/7. Good news has definitely been neglected. But this year also had some bright moments - also for us as a club and cultural institution, despite being forced out of our old location and the lockdown that followed shortly afterwards.

Thanks to the cohesion of the Berlin club scene, we were not only able to quickly find an exile for our program at Alte Münze and the former Polygon Club but also to become part of a new global platform for club music streaming. ‘United We Stream’ is now available from over 100 cities worldwide and raised more than half a million euros for Berlin alone to preserve club culture. We were also able to count on our supporters and set up a successful crowdfunding campaign. By doing so we were able to employ a part of our team for further tasks like the production of our merchandise collection. Sustainable, fair-traded organic textiles were printed by hand in our specially equipped screen printing workshop. Recently we have produced a second batch due to the great interest and your feedback. The very last sweatshirts are still available in the web shop of our Latitude Record Store. Talking about the record store: After the closure of the old location at Sonnenallee, we had to move it to the web. In the meantime there are over 4000 second hand records of various genres available on our Discogs store, most of which we have collected from former DJ collections. Next spring, we'll open a new physical store again at a new long-term location in Neukölln. Also in Neukölln, we were able to bring our first bar project to fruition during the first lockdown in May. The ‘Bar Am Ufer’ - or BAU for short - started with Coffee to go, then had a great summer as a spot for cocktails and bar food and is now in lockdown again. Currently, BAU is open daily from 09:00 to 18:00 with all the essentials for staying at home: Coffee, tea and wines, along with cakes, sandwiches and cookies!

At the beginning of May, we were able to announce that we had found a new home for our club. After only four months in limbo, between exile, storage and lockdown. Without wasting any time and in a tremendous show of strength an open-air location including a beer garden was built up in the former Bärenquell brewery in Niederschöneweide. But we always knew: If events could and were allowed to take place again, then only under strict hygiene conditions. For example, all areas had to be corona-compliant: Directional systems, seating areas with Plexiglas, hygiene stations, and so much more. From mid-September to early November, this allowed us to run our club program outside. Even though it was only possible with limited attendance, it felt a bit like the old days. In addition to pizza and beer, the 'Baergarten' offered a colorful cultural program, including the Day of Club Culture on October 3, initiated by Berlin's Senator for Culture Klaus Lederer, who used our Baergarten together with the Club Commission as a stage for the opening press conference. Fast and efficient digital solutions also contributed to the successful and safe execution of the events. Our friends from Hanteras took over the registration and data protection-compliant storage of guest data for contact tracking following the Berlin infection protection ordinance. This enabled us to return to new ‘normality’, at least for a few weeks.

For the ambitious-absurd plan to open a club during a global pandemic, we needed a crazy and at the same time reliable partner. We had found this partner in the real estate developer ‘Home Center Management’, HCM for short. The Israeli-born and Berlin-based experts are currently entrusted with the development of the Bärenquell site and want to turn the old brewery ruins into a colorful quarter of art, culture, and work in the coming years. In the moment of extreme difficulty, they offered us to use parts of their property. Together we are currently working on various projects that will bring the site to life alongside our club operations. For example, a regular and diverse flea and food market is being planned for next year, following on from our previous Muehlenmarkt in Sonnenallee. Next year, we will then finally complete our transformation and appear on all channels as ‘Revier Südost’. For this purpose, we are currently working together with the Berlin design agency Pfadfinderei on a new corporate design. Griessmuehle will continue to be a part of us, in our hearts and above all in our ears - stay tuned.

At our rally in January and with our petition on change.org we had demanded what the Clubcommission has been struggling for with politics for a long time: Clubs are culture and therefore worth protecting. In June, SPD, Die Linke, and the Green Party jointly submitted a motion to the House of Representatives "to recognize and strengthen club culture as part of Berlin". On November 19, this motion was granted. Clubs are to be treated as cultural venues and would then be on an equal footing with theaters, opera houses and museums. This means they will enjoy advantages under building law and more protection in the future. Even if this applies to Berlin for the time being only, 2020 has meant far more and until now undreamed-of challenges for clubs, this decision is at least a ray of hope.

On the European cultural stage, we were able to set up a transnational joint project this year. Together with the Polish club Jasna 1 and the Czech club Ankali we founded the GRAVITY Network of Electronic Music Venues. The cooperation project is aiming to stimulate transnational mobility of local artists, educate electronic music communities and create a foundation for an expanding network of electronic music venues in Europe and beyond. The project, funded by the European Union's ‘Creative Europe’ program, will launch next spring and includes music events, panel discussions, lectures, screenings, and workshops in Berlin, Prague and Warsaw.

Just as we can currently only dream of traveling through Europe and rave about long, drunken nights, it's also been clear for quite long: For the first time in years, we and our whole team will spend the quietest and most contemplative holidays ever. Not hosting a big New Year's Eve party opens up whole new perspectives: No preparations, no stress while setting up and no long shifts at the turn of the year.

The soundtrack for your New Year's Eve at home was recently provided by our residents Acierate Cinthie and Parallx, who were guests at Hör together with Gabrielle Kwarteng. All four streams can be found online on YouTube here.

We wish all friends, guests, staff, and artists a happy holiday season at home and a healthy start to the new year.

 

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